Die Steigende Flexibilität im Europäischen Leveraged Loan-Markt mit Rekord-Liquidität Verlangt Besonderes Gespür von Private Equity-Investoren

Private Equity Deal Teams sollten neue Entwicklungen beachten, die sich auf Finanzierungskonditionen auswirken

06. Februar 2018

Der europäische Leveraged Loan-Markt ist stärker denn je. Mit hoher Liquidität und einem Kreditangebot, das die Nachfrage deutlich übersteigt, haben sich die Konditionen eindeutig zugunsten der Kreditnehmer entwickelt. Allerdings ist auch zu beobachten, dass sich der Markt zunehmend in zwei Segmente teilt. Auf der einen Seite eine hohe Nachfrage und vorteilhafte Preiskonditionen für Kredite, die als sicher angesehen werden, auf der anderen Seite mehr Flexibilität (Flex) bei einigen anderen Krediten. Auch die Volatilität hat zugenommen. Nach unserer Einschätzung sollten Deal Teams bei Private Equity-Häusern diese Marktentwicklungen berücksichtigen, da sie sich auf die Finanzierungskonditionen auswirken.

Entwicklungen im Finanzierungsmarkt

Das Wachstum des europäischen institutionellen Marktes wirkt sich deutlich auf die Verfügbarkeit von Kreditfinanzierungen für Deals aus. Im vergangenen Jahr erreichte der europäische CLO-Markt neue Höhen, und Fremdfinanzierungs-Fonds (Alternative Lenders) spielen dabei eine zunehmend wichtige Rolle. Auf der Nachfrageseite blieb der Zuwachs der Refinanzierungsvolumina hinter dem relativen Rückgang der Zahl fremdfinanzierter Akquisitionen in Europa zurück. Da dieses Ungleichgewicht in Europa besonders ausgeprägt ist, sind die Leveraged Loan-Preise in Europa günstiger als in den USA. Im Oktober lag die Diskrepanz bei 120 Basispunkten und erreichte damit den höchsten Stand im Jahr 2017, nach Angaben von S&P Leveraged Commentary & Data (S&P).

Dies zeigt sich nicht zuletzt darin, dass Covenant Lite-Transaktionen immer häufiger werden. In den drei Monaten bis zum 31. Oktober stieg der Anteil solcher Transaktionen auf einen Rekordstand von 81% (verglichen mit 53,6% im Dezember 2016) an allen Leveraged Loan-Transaktionen in Europa, wie S&P ermittelte. Darin spiegelte sich auch die relative Zunahme institutioneller Markteilnehmer wider, die in solche Produkte investieren.

Flexibilität bei Finanzierungen in dynamischem Marktumfeld

Allerdings steigt auch die Häufigkeit, mit der Flexibilitäten der Finanzierungsvereinbarungen genutzt werden. Flex erlaubt dem Arranger, das Pricing oder bestimmte Dokumentationspflichten zu ändern, wenn die Nachfrage bei der Syndizierung nicht ausreichend hoch ist.

Warum kommt es in einem Markt, in dem es bei anderen Transaktionen zu Überzeichnungen und Reverse Flex (Preissenkungen) kommt, zu solchen Entwicklungen? Weil die Transaktionsvolumina den Kreditgebern in der zweiten Jahreshälfte 2017 eine größere Auswahl boten. So konzentrierten sich die Finanzierer auf Transaktionen, die sie als „attraktiv“ wahrnahmen. Dies führte bei solchen Deals zu Überzeichnungen und abnehmender Flexibilität, also zum Beispiel zu günstigeren Preisen. Auch sahen sich die Kreditgeber eher in der Lage, weniger attraktive und zu aggressive Transaktionen abzulehnen, wenn die Konditionen nicht nachgebessert wurden. Im September zeichnete S&P sechs Fälle von (kreditgeberfreundlichen) Flexibilisierungen nach oben und acht (kreditnehmerfreundlichen) Fällen von Flexibilisierungen nach unten auf. Der September war damit der Monat mit dem höchsten monatlichen Prozentsatz an Flexibilität nach oben und dem niedrigsten Prozentsatz an Flexibilität nach unten seit dem Jahresbeginn 2016.

Wir sind der Auffassung, dass es eine zu starke Vereinfachung wäre, den Markt als insgesamt Kreditgeberfreundlich zu bezeichnen. Private Equity-Investoren sollten deshalb die vermeintlich attraktiven Möglichkeiten sorgfältig prüfen und die Bereitschaft des Marktes zur Aufnahme einschätzen, bevor sie die Konditionen prüfen. Wenn es bei einem Deal das erste Mal zur Flexibilisierung kommt, können davon mehr Parameter betroffen sein, als wenn die Transaktion gleich von Anfang an auf dem richtigen Niveau gepitched worden wäre. Wir befinden uns also in einem Marktumfeld, in dem sich Finesse durchaus auszahlen kann.

 
 
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