Spotlight: „Die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen waren selten so günstig“

Alexandra Hagelüken beantwortet die wichtigsten Fragen zur Liquidität im Markt für Unternehmenskredite

20. Juni 2018

Frau Hagelüken, wie stehen Unternehmen, die Finanzierungen suchen oder sich refinanzieren wollen, im gegenwärtigen Marktumfeld da?
Alexandra Hagelüken: Die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen sind sehr günstig. Das gilt nicht nur für die Zinskonditionen, sondern auch für die Covenants, also die zusätzlichen Vereinbarungen. Das heißt, dass ein Unternehmen, das Geld aufnehmen möchte, dies heute zu weniger strengen Rahmenbedingungen tun kann. Das kann z.B. bedeuten, dass das Unternehmen weniger Finanzkennzahlen vorlegen muss, um einen Kredit zu bekommen. Man kann also sagen, dass das Kreditumfeld derzeit sehr schuldnerfreundlich ist. Das ist nicht zuletzt auf die lockere Geldpolitik der EZB zurückzuführen. Wenn viel Geld im Markt ist, sind die Konditionen für Kreditnehmer günstiger.

 

Ist das eine gute Entwicklung oder sind damit auch Gefahren verbunden? Haben wir eine Kreditblase in Europa?
Alexandra Hagelüken: Das ist eine Frage, die häufig gestellt wird, wenn viel Geld im Markt ist. Grundsätzlich sind Marktbedingungen, in denen Unternehmen Wachstum, Projekte und Akquisitionen günstig finanzieren können, gut für das Wirtschaftswachstum. Und es ist auch nicht so, dass die Ausfallwahrscheinlichkeit von Krediten automatisch verringert wird, wenn die Kreditgeber mehr Kennzahlen von den Kreditnehmern einfordern, das haben Studien belegt. Nur weil wir viel Geld im Markt haben, haben wir also nicht automatisch eine Blase. Aber es besteht die Gefahr, dass durch eine Verschärfung der Kreditbedingungen das gegenwärtige Wachstum wieder gedrosselt werden kann.


Wurde früher ein bestimmter Schwellenwert verfehlt, mussten die Kreditbedingungen neu verhandelt werden. Nun sind viele dieser Schwellenwerte weggefallen. Unternehmen müssen nicht frühzeitig an den Verhandlungstisch, sondern kommen vielleicht erst, wenn es zu spät ist?
Alexandra Hagelüken: Nach unseren Erfahrungen aus den Zeiten der Finanzkrise suchen viele Kreditnehmer sowieso pro-aktiv in schwierigen Situationen das Gespräch mit den Kreditgebern, um eine spätere Konfrontation zu vermeiden. Wenn nicht mehr so strenge Automatismen zu Kreditneuverhandlungen bestehen, kann sich das Unternehmen aber auch kurzfristig auf die Umstrukturierung des operativen Geschäfts konzentrieren, anstatt Zeit in langwierigen Verhandlungen zu verbringen. Wie überall im Leben ist auch bei den Trends im Darlehensmarkt nicht alles schwarz oder weiß.

 

 

 
 
Hinweis: Wir freuen uns über Ihr Interesse an Latham& Watkins. Falls sich dieses auf eine Rechtssache bezieht und Sie nicht bereits ein gegenwärtiger Mandant der Kanzlei sind, bitten wir darum, uns noch keine vertraulichen Informationen zu übermitteln. Bevor wir ein Mandat annehmen können, müssen wir prüfen, ob die Mandatsübernahme zulässig ist, und die dafür geltenden Bedingungen vereinbaren. Bevor dies nicht geschehen ist, wird keine Mandatsbeziehung begründet und es besteht daher auch keine Vertraulichkeitsverpflichtung hinsichtlich der von Ihnen möglicherweise übermittelten Informationen. Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.