Der Private Equity Markt bleibt in Bewegung

Oliver Felsenstein und Sven Baumann von Citi geben Ausblick auf Entwicklungen im Private Equity Markt – Hohe Preise aber keine Blase

5. Juni 2017

Am 1. Juni gaben Oliver Felsenstein, Latham & Watkins‘ Managing Partner Deutschland, und Sven Baumann, Managing Director im Investment Banking bei Citi, einen Überblick über die wichtigsten Trends im Private Equity Markt. Im Rahmen eines Presse-Roundtables im Frankfurter Latham & Wat-kins Büro diskutierten sie mit Journalisten der führenden deutschen Wirtschaftsmedien über aktuelle Entwicklungen des deutschen Private Equity Marktes, der deutlich an Attraktivität gewonnen und zu-letzt bei der öffentlichen Übernahme des Arzneimittelherstellers Stada auch einen erheblichen Medienrummel verursacht hat.

Private Equity (PE) bewege sich seit geraumer Zeit weg von einer reinen LBO Asset Klasse, be-schrieb Oliver Felsenstein die aktuelle Entwicklung des Sektors. Das Beispiel Stada zeige, dass in Zukunft auch verstärkt mit Private-to-Public-Transaktionen zu rechnen sei. Während die Renditen früher oft über reines Financial Engineering erzielt wurden, müsse man heute als PE-Gesellschaft „etwas mit dem Unternehmen anfangen können“, in das man investiere. So spielten viele PEs heute eine sehr viel aktivere Rolle im industriellen Management ihrer Beteiligungen oder schließen sich immer öfter auch mit strategischen Investoren zusammen, um über gemeinsame Übernahmen und Beteiligungen Wachstumspotentiale zu realisieren. So komme es heute auch häufiger zu Minderheitsbeteiligungen seitens der PEs als in der Vergangenheit. Aktives Portfoliomanagement sei deutlich auf dem Vor-marsch. Was die Marktteilnehmer angehe, herrsche weitgehende Stabilität.

Sven Baumann beschrieb den PE-Markt als stabil, die Finanzierungsbedingungen seien gut, sagte er. Er sehe trotz reichlich Liquidität und hohen Preisniveaus keine Gefahr einer Überhitzung der Fremdka-pitalmärkte. Bei klassischen Buy-Outs komme deutlich mehr Equity zum Einsatz. Die Returns seien niedriger als in den Hochzeiten der Branche, aber angesichts des niedrigen Zinsniveaus so attraktiv, dass sehr viel Liquidität in den Markt dränge. Strenge regulatorische Auflagen in den USA, wonach 50% des Total Debt innerhalb von sieben Jahren zurückgezahlt sein muss, führten dazu, dass fast alle größeren Transaktionen – auch in Europa – davon betroffen seien, da diese kaum ohne ein US-Element durchzuführen seien. Spätestens bei der Syndizierung wolle man gerade bei höheren Volu-mina nicht auf US-Investoren verzichten. „Für das System ist das gut“, sagte Baumann, „weil es sinnvoll ist, sich nicht nur von Syndication leiten zu lassen.“ Er gehe davon aus, dass strenge regulatori-schen Auflagen wie in den USA über kurz oder lang auch in Europa Einzug halten werden.

Oliver Felsenstein wies darauf hin, dass der gemeinsame Einstieg von PEs und Strategen in Unternehmen nicht nur eine Frage der Finanzierung sei. Häufig seien Unternehmen eher bereit, Anteile an PEs in Kombination mit Strategen zu veräußern, weil sie von den Strategen aufgrund ihrer Industrieexpertise ein besseres Portfoliomanagement erwarteten. Allerdings müssten vor Abschluss des ge-meinsamen Gebots häufig hochkomplexe Vereinbarungen ausgehandelt werden, da PEs einen Ausstieg anstrebten, während Strategen in der Regel investiert bleiben wollten. Hier biete sich der Exit über einen IPO an, da er den Ausstieg der PE-Gesellschaft und den gleichzeitigen Verbleib des Strategen ermögliche. Auch allgemein äußerten beide Experten die Auffassung, dass ein IPO unter bestimmten Bedingungen nach wie vor ein geeignetes Exit-Vehikel sei und bleiben werde.

Beide Experten verwiesen darauf, dass sich die Prozesse im gegenwärtigen Verkäufermarkt deutlich verkäuferfreundlich entwickelt hätten. „Die Interessenten überbieten sich förmlich in der Geschwindigkeit, mit der sie ihre Angebote unterbreiten“, sagte Oliver Felsenstein. Strategen und Private Equity Gesellschaften hätten sich in vieler Hinsicht aufeinander zubewegt, dennoch sei es für die PEs wichtig, die Kontrolle über den Exit nicht aus der Hand zu geben. Da die Private Equity Gesellschaften nicht mehr in erster Linie am Financial Engineering sondern am Erfolg des Beteiligungsunternehmens verdienen, was häufig Jahre dauern könne, sei das Modell nachhaltiger geworden, sagte Sven Baumann. Zugleich sei die Due Dilligence deutlich aufwendiger als früher.

Oliver Felsenstein ist der Ansicht, dass die Entwicklung im PE-Markt keine Blase sei: „Die Preise für attraktive Unternehmen sind sehr hoch, aber es ist bei weitem nicht so, dass man alles verkaufen kann. Nur für gute Assets werden gute Preise bezahlt.“ Sven Baumann fügte hinzu, dass es nicht zuletzt auf Grund der hohen Preise notwendig sei, die Zielgesellschaft mit Blick auf Wachstum und Erfolg zu optimieren. Ebenfalls einig waren sich beide PE-Spezialisten, dass sich der Anlagehorizont der PEs verlängert habe, da die Umsetzung einer nachhaltigen Wertsteigerungsstrategie länger daue-re als zwei bis drei Jahre. Auch das verstärkte Auftreten von Family Offices im Käufermarkt, die in der Regel einen Anlagehorizont von rund 15 Jahren anstrebten, habe zur Verlängerung der Haltedauern beigetragen. Die Experten wiesen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass auch zunehmend PE-Gesellschaften spezielle Fonds mit längeren Laufzeiten auflegten.

Im Fazit waren sich beide Experten einig, dass der Private Equity Markt spannend und lebendig blei-ben wird und es angesichts der hohen Liquidität durchaus vermehrt zu größeren Transaktionen kommen könne.

 

 
 
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