Latham & Watkins Restrukturierungsrunde

Günstige Refinanzierungen ermöglichen notwendige Anpassungen bei Geschäftsmodellen

24. November 2017

Unternehmen profitieren gegenwärtig von vorteilhaften Finanzierungskonditionen und könnten so wertvolle Zeit gewinnen, um ihre Geschäftsmodelle zu transformieren und notwendige operative Verbesserungen vorzunehmen. Doch nicht alle Unternehmen gehen diese Aufgabe mit der notwendigen Entschlossenheit an. Daher muss mit einer zunehmenden Zahl großer Restrukturierungen in Deutschland gerechnet werden, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsschraube wieder anzieht. Zu diesem Ergebnis kamen die Teilnehmer einer Expertenrunde zum Thema Restrukturierung bei der internationalen Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins in Frankfurt.

„In wirtschaftlich guten Zeiten gehen nicht alle Unternehmen ihre Probleme mit derselben Intensität an, wie in schwierigen Zeiten“, erklärte Henning Block, Director bei Rothschild Global Advisory. “Wenn die Zinsen wieder steigen, wird es große Restrukturierungen in zunehmender Zahl geben“, fügte Frank Grell, Restrukturierungsexperte und Partner bei Latham & Watkins hinzu. Gegenwärtig seien die Konditionen für Finanzierungen so günstig, dass man von regelrechten „Laborbedingungen“ sprechen könne, unter denen Unternehmen sich mit frischer Liquidität versorgten, ergänzte Joachim Exner, Insolvenzverwalter und geschäftsführender Partner der Kanzlei Beck und Partner.

Die drei Experten waren sich einig, dass Unternehmen im gegenwärtigen Umfeld von niedrigen Zinsen und hoher Liquidität, die nach Anlagemöglichkeiten sucht, von der Flexibilität bei den Finanzierungsinstrumenten und -strukturen sowie auf der Dokumentationsseite profitieren. „Derzeit haben auch Unternehmen mit schlechterer Bonität guten Zugang zum Kapitalmarkt und es gibt nur wenige große Fälle in Deutschland, bei denen eine umfangreiche finanzielle Restrukturierung der Passivseite der Bilanz notwendig ist“, sagte Block. Ohne finanziellen Druck gewännen die Unternehmen wert-volle Zeit um operative Verbesserungen vorzunehmen, sagten die Experten. In vielen Fällen sei dies auch notwendig, da die digitale Transformation weitreichende Anpassungen in den Geschäftsmodellen erfordere. Bedenklich sei aber, dass nicht alle Unternehmen notwendige Veränderungen konsequent genug vorantreiben würden. „Operative Veränderungen treffen besonders in wirtschaftlich günstigen Zeiten häufiger auf Widerstände in den Unternehmen und der Gesellschaft als in Krisen-zeiten“, sagte Exner.

Laxere Konditionen bei Finanzierungen, zum Beispiel Covenant Light Strukturen, und die gute Verfügbarkeit von Finanzierungen könnten dazu führen, dass Unternehmen, bei denen sich Probleme anbahnten, zu lange warteten, bis sie auf ihre Gläubiger zugingen. „Dann drängt plötzlich die Zeit, und die Unternehmen haben es mit deutlich mehr Gläubigern als in der Vergangenheit zu tun“, so Grell. Denn im Gegensatz zu dem klassischen Bankkredit, der früher Gang und Gäbe war, sehen sich Unternehmen bei Finanzierungsformen, wie beispielsweise Schuldscheinen oder Anleihen, einer deutlich größeren Zahl von Gläubigern gegenüber, die überzeugt werden müssten. Das werde aber unter Zeitdruck nicht immer gelingen.

Die Zahl der Insolvenzen sei angesichts der optimalen Finanzierungsbedingungen weiterhin gering, sagten die Experten. Unternehmen, die im gegenwärtigen Umfeld dennoch Insolvenz anmelden müssten, seien überwiegend „harte“ Fälle. „Unternehmen, die jetzt in die Insolvenz gehen, sind hart zu restrukturieren“, sagte Grell. „Da geht es nicht nur um Finanzprobleme, sondern um massive operative Probleme.“

Bei den großen Insolvenzen in Deutschland im laufenden Jahr sehen die Experten wenige Gemeinsamkeiten. Es handle sich vielmehr um „Einzelthemen“, die sich aus dem Unternehmen selbst oder dem jeweiligen Marktumfeld ergeben hätten. Auch hinter den Erfolg des Gesetzes zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG), das seit dem 1. März 2012 in Kraft ist, setzte die Expertenrunde ein kleines Fragezeichen. Das Ziel, Unternehmen früher zum Insolvenzantrag zu bewegen, ist nach Einschätzung der Experten nur bedingt erreicht worden. Der Insolvenzantrag sei in Deutschland nach wie vor mit dem Makel des Versagens behaftet. Außerdem finde die weitaus größte Zahl der Insolvenzen im Mittelstand statt, in dem die persönlichen finanziellen Belange der Eigentümer eng mit denen der Unternehmen verwoben seien, was dazu führe, dass die Unternehmer erst sehr spät einen Insolvenzantrag stellten. Daran habe das ESUG nichts geändert. Dennoch stimmten die Experten überein, dass das ESUG mit der erweiterten Gläubigermitbestimmung und der Stärkung der Eigenverwaltung ein deutlicher Schritt in die richtige Richtung sei.

 

 
 
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