Corona-Spezial Restrukturierungs-Roundtable bei Latham & Watkins

Die Experten Henning Block, Dr. Ralf Moldenhauer, Latham-Partner Frank Grell und Dr. Jörn Kowalewski diskutierten über aktuelle Herausforderungen für Unternehmen, Maßnahmen der Regierung sowie weitere Fragestellungen.

24. April 2020

Die Corona-Krise: Liquiditätssicherung für Unternehmen nur der erste Schritt, Unternehmen müssen nachhaltig agieren


COVID-19 stellt viele Unternehmen vor enorme Herausforderungen. Die Experten, Henning Block (Managing Director, Rothschild & Co), Dr. Ralf Moldenhauer (Managing Director & Senior Partner, Boston Consulting Group) sowie Frank Grell (Partner und Leiter der deutschen Restrukturierungspraxis bei Latham & Watkins) und Dr. Jörn Kowalewski (Partner der Restrukturierungspraxis bei Latham & Watkins) diskutierten anlässlich eines Corona-Spezial Restrukturierungs-Roundtable über aktuelle Herausforderungen für Unternehmen, Maßnahmen der Regierung sowie weitere Fragestellungen. 

Ralf Moldenhauer sieht in der aktuellen Krise zwar eine große Herausforderung für die gesamte Wirtschaft, die Lage sei aber differenziert zu bewerten: Es gäbe Unternehmen mit verlorenen Umsätzen wie im Touristikbereich und Unternehmen mit verschobenen Umsätzen wie etwa der Automobilbranche. Bei letzteren stelle sich die Frage, wie schnell sie die Umsätze wieder auf einen Vorkrisenstand heben könnten, um zu einem geregelten Geschäftsbetrieb zurückzukehren. 

Die Experten stimmten überein, dass sich die Wirtschaft aktuell in der ersten Welle mit Fokus auf Liquiditätssicherung befände. In dieser Phase sei die logistische Meisterleistung der Regierung hinsichtlich der Maßnahmenpakete bemerkenswert, so Jörn Kowalewski.

Im Zuge dieser Maßnahmen wurden bereits eine Reihe von KfW-Programmen und Landesbürgschaftsprogrammen bewilligt. Im Private Equity Bereich warte man noch darauf, dass die ersten Anfragen erfolgreich bearbeitet werden. Frank Grell betonte, dass man diesen Bereich nicht ausblenden dürfe, da dieser wirtschaftlich sehr relevant sei und eine Liquiditätssicherung auch hier erfolgen müsse: „Die Eigentümerstruktur darf bei der Kreditvergabe kein Hinderungsgrund sein. Es geht um die Sicherung der deutschen Wirtschaft und der Arbeitsplätze in Deutschland.“ 

Henning Block betonte, dass sich Unternehmen in den letzten Wochen vornehmlich mit Liquiditäts-Management beschäftigt hätten, was bei einigen Unternehmen zunächst mit einer Art „COVID-19-Schockstarre“ einherging. Dennoch sollten sich Unternehmen die Frage stellen, wie die Welt nach COVID-19 aussehe. Der Fokus auf Liquiditätssicherung „überlagere Restrukturierungsmaßnahmen“. 

„In den Märkten war zu sehen, dass die Spreads von Unternehmensanleihen erheblich angestiegen sind, mittlerweile nach der initialen Schockreaktion der Kapitalmärkte hat sich dies wieder etwas abgeschwächt. Dies spiegelt auch die nach wie vor herrschende Unsicherheit an den Kapitalmärkten wider“, führt er weiter aus.

Ralf Moldenhauer hob hervor, dass Unternehmen das eigene Ecosystem schützen (Kunden, Lieferanten) und nicht rein egoistisch handeln sollten: Man solle gemeinsame Liquiditätslösungen finden, um zu gegebener Zeit „wieder gemeinsam das System hochzufahren".

Der COVID-19 bedingte Liquiditätsbedarf von Unternehmen führe dazu, dass sich Verschuldungsgrade in Unternehmen kurzfristig signifikant aufbauten, diese aber auch wieder abgebaut werden müssen, was in der zweiten Phase voraussichtlich zu einer deutlichen Restrukturierungsaktivität führen wird, so Henning Block. 

Die dritte Welle wird sich laut Kowalewski vornehmlich mit der Frage beschäftigen, wie man als Unternehmen mit der höheren Verschuldung auf Passivseite umgehe. „Die Verluste lasten auf der Passivseite – manche Unternehmen werden Wege finden, damit umzugehen, andere wiederum werden es nicht schaffen.“ Dies könne sich dann in Richtung Insolvenzen bewegen, aber auch Richtung Transaktionen befördern, so Kowalewski weiter.

Verschärfte Regeln für ausländische Investoren

Die Experten diskutierten auch über die allseits verbreitete Ansicht, deutsche Unternehmen stünden vor dem Ausverkauf. Frank Grell wies darauf hin, dass viele Unternehmen über Jahre von Geldern ausländischer Investoren profitiert hätten und das auch in Zukunft tun würden. Viele Kritiker verlören offensichtlich aus den Augen, dass diese Unternehmen mit zusätzlichen Mitteln von Investoren viele Arbeitsplätze auf dem deutschen Markt sicherten. 

Bei Investorengruppen sieht Henning Block zum einen Hedgefonds, die „auf genau solche Marktphasen warten“ und „mehr Anlagemöglichkeiten“ sehen und zudem Private Equity Gesellschaften mit Spezialisierung auf Restrukturierungen, die jetzt „aufgrund niedrigerer Bewertungen und mehr Restrukturierungsfällen investieren könnten“. Strategische Investoren seien dagegen aktuell eher zurückhaltend und beobachteten den Markt. 


Neben all den angesprochenen Herausforderungen der Wirtschaft und der einzelnen Unternehmen, sei dennoch auch der technologische Sprung zu erwähnen, den alle als Chance nutzen sollten, betonte Ralf Moldenhauer.


 
 
Hinweis: Wir freuen uns über Ihr Interesse an Latham& Watkins. Falls sich dieses auf eine Rechtssache bezieht und Sie nicht bereits ein gegenwärtiger Mandant der Kanzlei sind, bitten wir darum, uns noch keine vertraulichen Informationen zu übermitteln. Bevor wir ein Mandat annehmen können, müssen wir prüfen, ob die Mandatsübernahme zulässig ist, und die dafür geltenden Bedingungen vereinbaren. Bevor dies nicht geschehen ist, wird keine Mandatsbeziehung begründet und es besteht daher auch keine Vertraulichkeitsverpflichtung hinsichtlich der von Ihnen möglicherweise übermittelten Informationen. Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.